TRAUM UND WIRKLICHKEIT

Zeitraum: 
2. September 2022 - 13. November 2022

 

Eberhard Ugowski

Maler

 

1937 am 23. 3. in Berlin geboren, aufgewachsen in Kleimachnow . Seinen Vater sieht Eberhard Ugowski im April 1945 zum letzten Mal bei einem Fronturlaub.

Die Mutter, bürgerlich-christlich erzogen, schon früh KPD-Mitglied, zieht ihn und seinen Bruder allein auf.

1958 –1962 Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg,Fachrichtung Produktion.

1962 Heirat mit der Schauspielstudentin und späteren renommierten DEFA-Schauspielerin Karin Komischke, Geburt des Sohnes Jörg.

1962 - 1977 verschiedene Tätigkeiten im Filmwesen.

1968 Scheidung. Sohn Jörg wächst beim Vater auf.

1969 -1973 Aspirantur, Promotion Dr. phil.

1971                           Lebenspartnerschaft mit der späteren Grafikerin/Malerin Birgit Khoury. Sohn Boris wird geboren.

1977 -1990 stellvertretender Leiter der HV-Film im Ministerium für Kultur der DDR.

1977 erste Bilder als Autodidakt.

Ermutigung durch den renommierten Dokumentar-Filmmacher und Maler Jürgen Böttcher, genannt Strawalde.

„Lesen war für mich ein tägliches Bedürfnis, und das Gelesene hatte ich dann in Bildern vor mir gesehen. Ich habe viel fotografiert. Diese Fotomotive hatten sich mir fest eingeprägt. Aber auch Bilder des Kameramannes Eduard Tisse in Filmen von Sergej Eisenstein…Ebenso Tscherkassow in `Don Quichotta‘“.

1988 erste Begegnung und der Beginn einer bis heute andauernden großen Liebe mit der erfolgreichen DEFA-Szenenbildnerin und späteren Malerin Britta Bastian nach der Premiere des Kinderfilms “Hasenherz“, in dem ihre Tochter Charlotte eine Hauptrolle spielt.

1990 /91 Direktor des Instituts für Kulturforschung.

1991-1994 nach der Abwicklung des Institutes arbeitslos, ABM.

 „Da  stand ich jeden Tag an der Staffelei, auch als eine Art Therapie.“

1994.1999 Geschäftsführer im Multikulturellen Centrum Templin, wo Eberhard Ugowski neben zahlreichen Ausstellungen, u. a. mit Inge und Jo Jastram, Friedrich-Wilhelm und Antje  Fretwurst, Ronald Paris, Veranstaltungen, u. a.  mit den Schauspielern Armin Müller-Stahl, Eva Maria Hagen, mit dem Filmregisseur Kurt Maetzig, dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt, den Schriftstellern Hermann Kant und Daniela Dahn sowie dem Literaturhistoriker Walter Jens, organisierte.

 

ab 1999 Rentner, freier Maler.

 

2021nach einem Sturz an den Rollstuhl gefesselt.

 

Ausstellungen (Auswahl)

1992                Galerie Waldhus, Annenwalde; Kulturarche Prenzlau
1996                Galerie Louisenhof, Altkünkendorf (mit A. Tucholke-Bonnet u. Ch.Bonnet)
1997                Foyer-Galerie, Multikulturelles Centrum Templin
1999                Galerie im  Kloster, Ribnitz-Damgarten,
 Kunstgießerei Flierl, Berlin (mit M. Flierl u. H. Jankofsky)
2000                Club Spittelkolonnaden, Berlin; Bürgerhaus am Schlaatz, Potsdam; Galerie„ Hof Kokurin“, Naugarten (mit Jörg Ugowski)
2001                Galerie „Interieur“, Berlin
2002                Foyer-Galerie, Multikulturelles Centrum Templin,
                Bürgerhaus am Schlaatz, Potsdam (mit Britta Bastian)
2003                Meistersaal, Berlin (mit Britta Bastian)
2004                 Dominikanerkloster, Prenzlau

2005                GBM Galerie, Berlin (mit Britta Bastian)
2007                Karl-Liebknecht-Haus, Berlin
2009                Galerie OstArt, Berlin (mit Britta Bastian)
2011                „Galerie Horizontale“ im Landratsamt Lübben
ab 1997           jährlich Hofgalerie Bebersee, Templin, gemeinsam mit Britta Bastian

 

 

„Für Ugowski ist Don Quixote offenbar so etwas wie eine Leitfigur. Oft mit roter Fahne bewaffnet, stellt sich ´der Ritter von der traurigen Gestalt´ dem Zeitgeist entgegen… Der Maler outet sich auf diese Weise selbstironisch als `Unbelehrbarer`, der das Ideal einer sozial gerechten Gesellschaft nicht aufzugeben bereit ist…Dennoch kann er Lebenslust und hintergründigen Humor nicht verbergen…Die Sehnsucht nach Schönheit und unzerstörter Natur widerspiegeln die Traumbilder, Phantasielandschaften als Sehnsüchte eines Mannes, der als Verehrer schöner Dinge das Wünschen nicht verlernt hat. Sein Drang nach Harmonie kommt immer wieder durch. Und der Schalk…Und wie sagt er des Öfteren:

`Bilder vollenden sich immer erst im Betrachter.`“.

Britta Bastian, zitiert aus ihrer Laudatio zur Ausstellung 2004 in Prenzlau, Dominikanerkloster

 

 

 

Artikel in der OZ vom 19.09. von der Journalistin Elke Erdmann, Wieck

 

Erberhard Ugowski zwischen Traum und Wirklichkeit

Vom Menschen Erdachtes und Realisiertes im Dornenhaus zu Ahrenshoop

 

Ahrenshoop/ Althagen. Frisch, stimmungsvoll und hintersinnig wirken die Bilder der Ausstellung im Dornenhaus zu Ahrenshoop. Der Maler Eberhard Ugowski, Jahrgang 1937, zeigt eine Welt zwischen „Traum und Wirklichkeit“, in der er als Don Quichote immer wieder mit der roten Flagge zu sehen ist, aber auch als Verehrer und Beobachter des Weiblichen. Ein bekennender Sozialist, ehrlich im Geist und in seinen Anschauungen, „unbelehrbar, dem Ideal von einer sozial gerechten Gesellschaft verbunden.“ In der hohen Diele hängt sein Ölbild „Meine Arche Noah oder wir erwarten fremde Freunde“. Es ist eine malerische Träumerei, die auf Arnold Böcklins Toteninsel zurückgeht, hier aber das ersehnte harmonische Leben zeigt. Wer sind die fremden Freunde? Christ, Muslim, Jude und Buddhist. Sie sitzen alle in einem Boot, das neben Seerosen das Ufer der halbkreisförmigen Felseninsel im Meer ansteuert. Der Maler selbst mittendrin, die rote Flagge wie ein Segel haltend. Britta, seine Lebensgefährtin, steht mit einer Calla zum Empfang bereit. Der Künstler hat seine gesamte Familie sinnbildlich verewigt. Schön ist diese Insel. Ein Wasserfall formt sich zu einem Bach und strömt ins Meer. Dunkle Zypressen und seltsame Baumgestalten prägen die Landschaft. Zur Ausstellungseröffnung wurde dieses Bild für das große Publikum vor das Dornenhaus getragen. Die promovierte Kunstwissenschaftlerin Luise Hartmann, selbst Malerin, führte mit Eberhard Ugowski ein sehr einfühlsames Gespräch über den Weg zu seiner Malerei. Der im Rollstuhl sitzende Künstler gelangte nach 14 Monaten zum ersten Mal wieder in die Öffentlichkeit. Er zeigte sich überwältigt: „Diese Ausstellung, die Renate (Löber) so gut gehängt hat, war eine Wiederbegegnung mit meinen Bildern. Ich bin ein optischer Mensch gewesen. Vieles hat mich bewegt und es war so, dass ich mich äußern m u s s t e. Rousseau und Botticelli tauchen immer wieder in meinen Gedanken auf.“ Bei Rousseau sind im Naturzustand alle Menschen gleich und glücklich. Erst der Besitz macht sie so verschieden. Und er setzte nach: „Bilder kann man nicht erklären. Sie vollenden sich erst beim Betrachter.“ Das Anliegen des Künstlers wird auch in seinem Bild „Streitgespräch unter Freunden“ deutlich. Unter einem Lebensbaum sitzen Marx und Engel nah beieinander, der Maler mit Flagge vor ihnen. Die langlebige Schildkröte bewegt sich auf ihn zu. Sisyphos wälzt einen riesigen Stein auf den Berg. Er verkörpert die umfangreiche komplizierte Arbeit der Menschheit. In den frühen Werken geht es erotisch zu wie in dem sehr sinnlichen Bild „Nur der Mond schaut zu“. Bei „Ankunft des Bräutigams“ in der Wüste kontrastieren Ruhe und Dramatik in einer makabren Szene, denn der aus der Kutsche Gestiegene hält in der Hand schussbereit einen Revolver. Die Braut steht neben dem Pastor. Die Bilder des Künstlers sind Bildgeschichten, sehr detailreich, farbenfroh und sorgfältig mit faszinierenden Kompositionen gemalt.

In Bebersee bei Templin ist sein Zuhause. Wegen eines Unfalls und der folgenden misslungenen Operation wohnt er jetzt in einem Pflegeheim in Berlin. Das ist ein Bruch in seinem Leben, ein Riss, wie er ihn schon einmal erlebt hat. Eberhard Ugowski begann mit 21 Jahren das Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg, Fachrichtung Produktion. Er war 15 Jahre für das Filmwesen der DDR tätig. Nach erfolgreicher Aspirantur promovierte er 1973 zum Dr. phil. Er arbeitete als stellvertretender Leiter der Hauptverwaltung Film im Ministerium für Kultur bis zum Ende der DDR. Kurzzeitig war er 1990 Direktor des Instituts für Kulturforschung. Mit der Abwicklung begann seine Arbeitslosigkeit. Eberhard Ugowski ging 63jährig in Rente und nannte sich selbst „Altersstipendiat“. Doch der Riss hat ihn weitergebracht, fröhlicher und zugewandter widmete er sich ab 1977 als Autodidakt der Malerei, obwohl sein Zeichenlehrer meinte, dass er „völlig unbegabt“ sei. „Doch Jürgen Böttcher, Strawalde, hat mich ermutigt und auch Britta Bastian“, sagt der Künstler. „Es kam immer aus meinem Herzen.“ Auf diesem Weg gelangen nun die Bilder ans Licht und in die Welt. Die sehr emotionale Ausstellungseröffnung am 2. September begleiteten die fröhlich gestimmten Rostocker Musiker Bettina und Martin Goffing draußen unterm Rohrdach. Zum Auftakt erklang das „Duett Präludium“ von Schostakowitsch mit Violine und Kontrabass. Eberhard Ugowski taktierte mit seinem gesunden Fuß.

Ausstellung bis zum 13.11.2022, Freitag bis Mittwoch von 10.30 bis 17.30 Uhr.